Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Lüdinghausen

Fahrradbrücke "Dafne Schippersbrug" in Utrecht

Utrecht zeigt, wie Radverkehrsplanung Menschen aufs Fahrrad bringt

Drei Tage Utrecht, drei Tage überzeugende Radinfrastruktur: Eine durchgehende, komfortable und sichere Verbindung vom Stadtteil Leidsche Rijn bis ins Zentrum hat uns begeistert.

Ein besonderes Highlight ist die Dafne Schippersbrug – eine Fahrradbrücke, die Schule, Park und Verkehrswege auf ungewöhnliche Weise verbindet. Was kann Lüdinghausen davon lernen?

Eine Brücke, die mehr verbindet als zwei Stadtteile

In der vergangenen Woche waren wir drei Tage in Utrecht unterwegs. Unsere Unterkunft lag in Leidsche Rijn, einem großen, modernen Stadtteil westlich des historischen Zentrums. Jeden Tag ging es mit dem Fahrrad in die Innenstadt – und jedes Mal war die Dafne Schippersbrug ein besonderes Erlebnis.

Die Brücke überquert den Amsterdam-Rhein-Kanal und verbindet Leidsche Rijn mit dem älteren Stadtteil Oog in Al und dem Weg in Richtung Innenstadt. Sie ist nicht nur ein eindrucksvolles Bauwerk, sondern ein Beispiel dafür, wie konsequent eine Stadt ihre Infrastruktur am Rad- und Fußverkehr ausrichten kann.

Die Dafne Schippersbrug: Zahlen und Fakten

Die 2017 eröffnete 110m lange Fahrrad- und Fußgängerbrücke überspannt den Amsterdam-Rhein-Kanal und verbindet Leidsche Rijn mit dem Stadtteil Oog in Al. Besonders beeindruckend: Die Zufahrt führt in einer großzügigen Schleife über das Dach einer Grundschule.

Für Radfahrende bedeutet die Brücke vor allem eine direkte, sichere und komfortable Verbindung. Sie überwindet eine große Verkehrsbarriere, verkürzt Wege und ermöglicht es, ohne Umwege und gefährliche Begegnungen mit dem Autoverkehr in Richtung Innenstadt zu fahren. Damit wird das Fahrrad für viele Menschen das attraktivste Verkehrsmittel im Alltag.

Was hat die Brücke gekostet?

Für das Gesamtprojekt einschließlich Schule und Umfeld werden rund 25 Millionen Euro genannt. Eine Kosten-Nutzen-Untersuchung schätzte den gesellschaftlichen Nutzen auf rund 46 Millionen Euro – unter anderem durch Zeitersparnis, Gesundheitsvorteile und vermiedene Emissionen.

Die Investition zeigt: Gute Radverkehrsinfrastruktur spart Zeit, schafft sichere Verbindungen und macht das Fahrrad für die Menschen alltagstauglich. Davon profitieren nicht nur Radfahrende, sondern die gesamte Stadt.

Der eigentliche Gewinn liegt in der gesamten Strecke

Noch beeindruckender war die gesamte Verbindung zwischen unserer Unterkunft in Leidsche Rijn und dem Zentrum. Die Strecke von ungefähr sechs Kilometern war konsequent auf den Radverkehr ausgerichtet.

Wir erlebten breite, gut ausgebaute Radwege, verständliche Wegeführungen und an vielen Kreuzungen eine Bevorrechtigung des Radverkehrs durch die Ampelschaltung. Wo es sinnvoll war, führten entweder Fahrradstraßen oder baulich getrennte Radwege weiter. Die Verbindung funktionierte als durchgehende Route – nicht als Aneinanderreihung einzelner guter Abschnitte mit problematischen Lücken dazwischen.

Das macht im Alltag einen entscheidenden Unterschied. Man muss nicht ständig überlegen, wo der Radweg plötzlich endet, wie man eine gefährliche Kreuzung überwindet oder ob man sich zwischen Autos einordnen muss. Die Route ist nachvollziehbar, komfortabel und auf eine zügige, sichere Fahrt ausgelegt.

Der Autoverkehr wird dabei nicht abgeschafft. Aber bei der Gestaltung der Verkehrswege wird deutlich, dass das Fahrrad in Utrecht ein selbstverständliches und wichtiges Verkehrsmittel ist. An vielen Stellen erhält der Radverkehr entsprechend viel Platz und eine günstige Verkehrsführung.

Was kann Lüdinghausen daraus lernen?

Natürlich kann Lüdinghausen keine 25 Millionen Euro teure Brücke nach dem Vorbild Utrechts bauen. Unsere Stadt hat andere Voraussetzungen, andere Entfernungen und andere finanzielle Möglichkeiten. Der Vergleich soll deshalb keine unrealistischen Erwartungen wecken.

Aber wir können von Utrecht lernen, dass gute Radverkehrsinfrastruktur nicht erst bei spektakulären Bauwerken beginnt. Entscheidend ist ein durchgängiges Netz, auf dem Menschen sicher, komfortabel und ohne unnötige Unterbrechungen unterwegs sein können.

Dazu gehören ausreichend breite Radwege, sichere Kreuzungen, nachvollziehbare Vorfahrtsregelungen, gute Ampelschaltungen und Fahrradstraßen, die ihren Namen verdienen. Vor allem müssen einzelne Maßnahmen miteinander verbunden werden. Ein hervorragender Radweg hilft wenig, wenn er an einer viel befahrenen Straße endet oder eine wichtige Verbindung an einer Kreuzung unsicher wird.

Genau hier liegt auch eine Aufgabe für Lüdinghausen: Die Verbindung zwischen Seppenrade und Lüdinghausen muss deutlich verbessert werden. Sie ist für viele Menschen im Alltag wichtig – ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder in der Freizeit. Wer diese Strecke sicher und komfortabel mit dem Fahrrad zurücklegen möchte, sollte sich auf eine durchgehende Verbindung verlassen können.

Gute Infrastruktur macht das Fahrrad attraktiver

Unsere Tage in Utrecht haben gezeigt, wie angenehm Radfahren sein kann, wenn die Infrastruktur stimmt.

Solche Erfahrungen können auch in Lüdinghausen etwas bewegen. Wenn mehr Menschen das Fahrrad als sichere und praktische Alternative erleben, kann das den Autoverkehr reduzieren, die Gesundheit fördern und die Lebensqualität in unserer Stadt weiter verbessern.

Dafür braucht es nicht überall spektakuläre Brücken. Es braucht den politischen Willen, Radverkehr bei der Planung konsequent mitzudenken – und ein Netz, das im Alltag tatsächlich funktioniert.

Utrecht zeigt, was möglich ist. Lüdinghausen kann seinen eigenen Weg gehen und dabei von guten Beispielen lernen.

Dörte Schulter & Frank Kortstiege


https://luedinghausen.adfc.de/pressemitteilung/utrecht-zeigt-wie-radverkehrsplanung-menschen-aufs-fahrrad-bringt

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